Schon in alten Zeiten war es Tradition, Friedhöfe eindrucksvoll zu gestalten. Wohlhabende Menschen konnten es sich leisten, schöne Statuen, kunstvolle Grabplatten und Mausoleen an den Gräbern aufstellen zu lassen. Mit der Zeit wurden diese zu wahren architektonischen Denkmälern.
Hamburg ist eine alte Stadt, und es gibt nur wenige Bauwerke, die mit ihrem Alter mithalten können. Der Friedhof Ohlsdorf ist nicht nur der älteste Friedhof der Stadt, sondern auch ein wunderbarer Ort für Spaziergänge. Mehr auf hamburgfuture.eu.
Der größte der Welt
Die Gesamtfläche des Friedhofs beträgt 391 Hektar, womit Ohlsdorf der größte Friedhof der Welt ist. Er befindet sich außerhalb der Stadt.
Wissenschaftler, die die Geschichte Ohlsdorfs untersuchen, sind sich einig, dass der Friedhof seinen Ursprung im Jahr 1303 hat. In alten Dokumenten wird ein Gebiet namens Ohlsdorf erwähnt. 1895 kaufte die Hamburger Stadtverwaltung ein 126 Hektar großes Grundstück, um einen städtischen Friedhof einzurichten.
Die Planung des Nekropols begann jedoch viel früher, bereits 1876. Der Autor und Hauptplaner war Franz Andreas Meyer. Johann Cordes ergänzte den ursprünglichen Plan und wurde der erste Direktor des Friedhofs. Cordes wählte den englischen Stil für die Gestaltung und das Design des Friedhofs. Sein Plan atmete den Geist des alten Englands, nicht Deutschlands. Viele fanden, dass Ohlsdorf eher einem Spaziergang durch einen Landschaftspark als einem Nekropol glich.

Das Friedhofsprojekt
Auf dem Friedhofsgelände befinden sich acht Kapellen, in denen Trauerzeremonien abgehalten wurden. Dort führte ein professioneller Kirchenchor Gottesdienste durch. Früher wurde der Gestaltung von Kapellen viel Aufmerksamkeit gewidmet. So gestaltete Michelangelo Kapellen für die Medici. Wohlhabende Hamburger gaben gerne Geld für die Errichtung und Ausstattung solcher Kapellen aus.
Am Eingang des Friedhofs steht ein Verwaltungsgebäude im Neobarockstil. Dieser neue Architekturstil aus Frankreich brachte eine Abwechslung in den englischen Geist des Friedhofs. Das Projekt des Verwaltungsgebäudes stammt ebenfalls von Cordes. Sein Nachfolger als Direktor, Otto Linne, hatte eine völlig andere Sicht auf die Architektur des Friedhofs und des angrenzenden Parks. Linne bevorzugte mehr geometrische Formen und gab den englischen Elementen weniger Raum. Dieser Stil fand großen Anklang bei der Bevölkerung und wurde bis 1930 häufig verwendet.

Die Gestaltung eines städtischen Friedhofs war eine mühsame Aufgabe. Neben den Grabsteinen, für die die Angehörigen der Verstorbenen verantwortlich waren, hatten die Architekten viele weitere Arbeiten zu erledigen. Mausoleen, Kapellen, einige Grabsteine und die Portale des Nekropols mussten entworfen werden. Viele Handwerker waren an diesen Projekten beteiligt, und ihre Werke finden sich auch in Hamburg selbst.
Einzigartige Denkmäler
Einige Architekten widmeten sich der Gestaltung von Grabsteinen mit besonderem Enthusiasmus und Fantasie. Das bekannteste Denkmal auf dem Friedhof Ohlsdorf ist „Charons Boot“. Dieses Grabmal wurde mehr als Denkmal denn als Grabstein errichtet, um den Opfern der Bombenangriffe auf die Stadt 1943 zu gedenken.
Von der Errichtung bis zur Erweiterung von Ohlsdorf wurden insgesamt 21 Mausoleen oder Gruften gebaut. Die größte und beeindruckendste ist die Gruft der Familie von Schröder, die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde.
Ein kultureller Ort
Dank der landschaftlichen Gestaltung wurde Ohlsdorf nicht nur zu einem kulturellen Park, sondern auch zu einem historischen Ort. Regelmäßig werden Führungen angeboten, bei denen Besucher alte Gräber besichtigen und Geschichten über die Verstorbenen und die Stadtgeschichte hören können. Trotz der sozialen Funktion finden auf Ohlsdorf auch im 21. Jahrhundert weiterhin Beisetzungen statt.

Nach Ohlsdorf kommen nicht nur Liebhaber unheimlicher Geschichten und Mystik, sondern auch Geschichtsinteressierte. Der Friedhof liegt in der Nähe vieler kultureller Sehenswürdigkeiten, wie der Hamburger Kunsthalle, dem Stadion „Kolore Line“, der Mönckebergstraße, dem Freizeitpark, der Miniatur Wunderland, dem Hafenmuseum Elbphilharmonie und vielem mehr.