Montag, Februar 9, 2026

Die hellste Stadt Europas: Geschichte der Straßenbeleuchtung in Hamburg

Das mittelalterliche Europa wird oft in düsteren Farben dargestellt: schmutzige Straßen, Obdachlose, rußgeschwärzte Gebäude. Ein wesentlicher Grund dafür war die mangelhafte Straßenbeleuchtung. Obwohl Straßenlaternen heute als Selbstverständlichkeit erscheinen, sind sie ein wichtiger Bestandteil jeder Stadt. Mehr auf hamburgfuture.eu.

Ein ausgestorbener Beruf

Hamburg war keine Ausnahme unter den europäischen Städten. Ursprünglich gab es dort nur Öllampen, die das Stadtbild beeinträchtigten und aufwendig zu warten waren. Jeden Abend mussten sie manuell entzündet und morgens wieder gelöscht werden. Diese Arbeit wurde von sogenannten „Lüchtenpüster“ erledigt. Sie kümmerten sich um die Ölmenge, reinigten Mechanismen und Lampenschirme – eine äußerst mühsame Aufgabe. Hamburg war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein dunkler Ort.

Im Jahr 1842 zerstörte ein großer Stadtbrand einen Großteil der historischen Architektur Hamburgs. Dieses tragische Ereignis markierte den Beginn der Wiederherstellung der Stadt, einschließlich des Baus neuer Gebäude und der Verbesserung der Straßenbeleuchtung.

Nach den Öllampen kamen Gaslaternen. Im Jahr 1900 erstreckte sich das Gasnetz über 600 Kilometer und versorgte sowohl Wohnhäuser als auch Straßenlaternen. Bereits 1800 erleuchteten über 1500 Laternen die Straßen Hamburgs, womit die Stadt zur hellsten Europas wurde.

Eine neue Lösung

Im 19. Jahrhundert war die Gas-Compagnie für die Gasversorgung in Hamburg zuständig. Diese Firma wurde von wohlhabenden Bürgern gegründet, die ihre Heimatstadt verschönern wollten.

Die Beleuchtung mit Gas war nicht nur effektiver, sondern auch günstiger als mit Öl. Während für Gas jährlich 180.000 Mark ausgegeben wurden, kosteten Öl und Petroleum fast 260.000 Mark. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen gewann die Gasbeleuchtung auch an Popularität. Viele europäische Großstädte hatten bereits Gaslaternen.

Die erste Gaslaterne wurde 1817 vor dem Privathaus des Kaufmanns Heise in der Gröningerstraße aufgestellt. Fünf Jahre später erhellten ähnliche Laternen den Tanzsaal in der Neustädter Straße. 1844 nahm ein Gaswerk im Hamburger Hafen den Betrieb auf, das die Laternen der zentralen Straßen versorgte. Doch ein Sturm beschädigte das Gasnetz, und die Stadt blieb ohne Licht.

Der berühmte Engländer

Der Name William Lindley ist in Hamburg wohlbekannt. Er baute nicht nur die Hauptwasserleitung der Stadt, sondern erhielt vom Senat auch den Auftrag, ein neues Gaswerk zu errichten. Aus den Fehlern der Vergangenheit lernend, wurde das neue Werk auf Pfählen errichtet, um es vor Überschwemmungen zu schützen.

1846 war das Werk fertiggestellt, und über 2000 Gaslampen erhellten bereits die Straßen Hamburgs. Anfangs konzentrierte sich die Beleuchtung auf das Stadtzentrum. Ab den 1850er-Jahren wurden Laternen vor Verwaltungsgebäuden installiert, und ab 1855 begannen die Hamburger, Gas zum Heizen ihrer Häuser zu nutzen. Dies wurde durch den neuen Bunsenbrenner erleichtert.

In den 1860er-Jahren gab es in Hamburg bereits 10.000 Gaslaternen. Die Straßenbeleuchtung trug maßgeblich zur Sicherheit bei und reduzierte die Kriminalität. Abends konnten die Hamburger unbesorgt ausgehen, Restaurants und Geschäfte besuchen.

Kosten der Beleuchtung

Mit der Ausweitung des Gasnetzes stiegen die Einnahmen der Gaswerke. Gleichzeitig war die Arbeit in diesen Werken äußerst anstrengend und schlecht bezahlt. Die Arbeitszeit betrug 12 Stunden am Tag. 1889 gründeten die Gasarbeiter die Hamburger Gasarbeitervereinigung, die erste Gewerkschaft dieser Branche in Hamburg. Sie forderten höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Eine separate Vereinigung wurde für die Laternenanzünder gegründet.

Am 10. Mai 1890 kam es in Hamburg zu einem Streik der Gasarbeiter. Sie wollten ihre Forderungen durchsetzen, doch die Arbeitgeber verlangten den Austritt aus der Gewerkschaft und entließen Widerspenstige. Der Streik dauerte zehn Tage, blieb jedoch erfolglos. Die Situation änderte sich, als das Gaswerk verstaatlicht wurde. Die Löhne stiegen, es wurden Prämien eingeführt, und die Arbeitsbedingungen verbesserten sich.

1903 wurde ein weiteres Gaswerk in Belvedere eröffnet. Ende des 19. Jahrhunderts begann die Elektrifizierung der Hamburger Haushalte, doch die Straßenbeleuchtung blieb gasbetrieben.

Vom Gas zur Elektrizität

Bis zur Entdeckung eines Erdgasvorkommens in Neuhof wurde Gas vor allem aus Kohle gewonnen. Dieses neue Vorkommen sicherte die Gasversorgung während des Ersten Weltkriegs. Im Zweiten Weltkrieg wurden alle Gaswerke außer dem in Bergedorf durch Bombenangriffe beschädigt, jedoch später wieder aufgebaut. Nach dem Krieg wurde die Straßenbeleuchtung ausschließlich mit Erdgas betrieben. Seit 1981 funktioniert die Hamburger Straßenbeleuchtung nur noch mit Elektrizität.

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